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Gesellenprüfung 2022 im Tischlerhandwerk legt Handwerkskunst und Kreativität offen

Von traditionsbewusster Rüstermaserung bis modernem iMAC-Design

 

„Ich wollte mit meinem Gesellenstück bewusst einen anderen Weg gehen“, so
Kaspar Oehlemann, frisch gebackener Junggeselle im Tischlerhandwerk des
Jahrgangs 2022. Jüngst überzeugte der 18-Jährige aus Rodias bei Milda mit
einer selbstbewussten Verteidigung seines Sekretärs auch den
Gesellenprüfungsausschuss. Neben der fach- und maßgerechten Ausführung
punktete er zu „sehr gut“ mit der Auswahl von wunderschön gemaserter Rüster,
dem einheimischen und durch das Ulmensterben selten gewordenen Holz sowie in
Rüster gearbeiteten metallfreien Beschlägen und flächenbündigen Scharnieren.
Das somit beste Gesellenstück 2022 erhielt 96 von maximal 100 Punkten.
Vorwiegend einheimische Hölzer wie Buche, Apfel, Eiche verwendeten auch
seine Kollegin und seine Kollegen in ihren Eigenkreationen und bewiesen so
die vom modernen Handwerk gelebte regionale Verbundenheit und den bewusst
verfolgten Nachhaltigkeitsgedanken.

 

Vom modernen Design seines iMAC inspiriert fertigte Tom Lindig seinen
Schreibtisch in zum Teil weiß beschichteter Buche und mit diversen
technischen Raffinessen. So lassen sich die einfach mit leichtem Druck zu
öffnenden Schubladen per „keyless entry“ berührungslos mit
Transponderschlüssel verschließen. Eine in der Platte eingearbeitete
USB-Leiste wird ebenfalls erst auf Druck sichtbar.

 

Der dreiteiligen Gesellenprüfung 2022 als Abschluss der dreijährigen dualen
Tischlerausbildung stellten sich eine angehende Junggesellin und ihre sieben
angehenden Junggesellenkollegen. Neben der Verteidigung des Gesellenstücks
vor dem Gesellenprüfungsausschuss sind die theoretische Prüfung und mit dem
Tischlern eines Betttabletts eine praktische Arbeitsprobe zu absolvieren.
Die Innungen haben vor Ort die Prüfungshoheit. Den Prüfungsausschuss bilden
ein Meister, ein Berufsschullehrer und ein Gesellenvertreter.

 

Markus Seibt, Obermeister der Tischlerinnung Jena/Saale-Holzland-Kreis
betrachtet den Jahrgang 2022 auf längere Sicht mit Optimismus für sein
Tischlerhandwerk. Kurzfristig allerdings auch mit einem weinenden Auge, denn
nur ein Teil des hoffnungsvoll stimmenden Nachwuchses werde in den Betrieben
vor Ort bleiben. Zwei der frischgebackenen Handwerksgesellen nehmen ein
Studium auf. Der Jahrgangsbeste Kaspar Oehlemann werde mit den drei Jahren
und dem einen Tag auf der Walz seinen Traum und das Ursprüngliche des
Handwerks leben.

 

„Bedauerlicherweise erfährt das moderne Handwerk erst jetzt durch die
zunehmend längeren Wartezeiten auf einen Termin die gebührende
Wertschätzung. Dafür und für eine stärkere Bekanntheit setzten wir uns als
Innung hier vor Ort und damit auch in der Gemeinschaft der Handwerker
deutschlandweit schon immer ein. Handwerk bietet Perspektiven für Arbeit,
Entwicklung und Leben in der Region“, so Innungsobermeister Markus Seibt,
selbst Tischlermeister und Betriebsinhaber aus Camburg. Gemeinsam mit dem
Projekt „Passgenaue Besetzung“ der Kreishandwerkerschaft
Jena/Saale-Holzland-Kreis starteten und starten vielfältige
Informationsmaßnahmen vor Ort, wie zum Beispiel zur frühzeitigen
Berufsorientierung in jüngeren Schulklassen. Langsam jedoch immer noch zu
langsam würde dies alles wirken, und so dem Abschluss der dualen
Berufsausbildung als Geselle und Facharbeiter wieder mehr Aufmerksamkeit in
der Öffentlichkeit zukomme.

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Veröffentlichung

Fr, 15. Juli 2022

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